Revierinformation für Segler: Das Wasser des Mittelmeeres

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Aufgrund seiner klimatischen Verhältnisse unterscheidet sich das Mittelmeer deutlich von vielen anderen Meeresgebieten: charakteristisch ist nicht nur sein mildes Klima, sondern auch sein sehr salzreiches Wasser, welches durch erhöhte Verdunstung hervorgerufen wird. Diese hohen Salzgehalte sind mit dafür verantwortlich, dass im Mittelmeer - anders als beispielsweise in der Ostsee - schweres Tiefenwasser gebildet werden kann.
Der Wasserhaushalt des Mittelmeeres ist für vielerlei verschiedene Fragen von Bedeutung, denn das durch die Straße von Gibraltar ausströmende salzreiche Wasser des Mittelmeeres ist in weiten Teilen des Atlantiks vorzufinden und hat möglicherweise einen grossen Einfluss auf die Zirkulation im gesamten Atlantikbecken. Es kann also als eine Art Fernwirkung des Mittelmeeres angesehen werden. Die Strasse von Gibraltar als einzige Verbindung zum Weltozean ist ein idealer Kontroll- und Beobachtungspunkt, um klimatische Veränderungen im Mittelmeer selbst festzustellen. Der Wasserkörper des Mittelmeeres beeinflusst natürlich auch das Klima der angrenzenden Länder ("Mittelmeerklima"), die von den warmen, trockenen Sommern und milden Wintern profitieren und im Tourismus oft einen wichtigen Bestandteil ihres Lebensunterhalts sehen. (Rom liegt zum Beispiel auf dem gleichen Breitenkreis wie New York, wo die Winter aber deutlich kälter sind.) Nicht zuletzt können Wissenschaftler Prozesse, die zwar auch in anderen Ozeanen vorkommen, im Mittelmeer auf kleinerem Raum einfacher und schneller untersuchen, da sie dort sozusagen "konzentrierter" auftreten (z.B. Wirbelphänomene und Tiefenwasserbildung).
Geographie Das Mittelmeer ist an der Sizilianischen Schwelle, die sich von Sizilien nach Tunesien erstreckt, in das östliche (Levantinisches Becken, Ionische See) und westliche Mittelmeer (Balearen Becken, Alboran See) geteilt, wobei das östliche Becken durchschnittlich tiefer ist als das westliche (siehe dunklere Blautöne auf der Karte weiter oben). Der tiefste Punkt des Mittelmeeres beträgt 5100 m, doch die Sizilianische Schwelle ist nur knapp 400 m tief, während die engste Stelle der Strasse von Gibraltar nur etwa 14 km breit ist.
Verdunstung, Niederschlag, Zuflüsse
Das Mittelmeer ist mit seinem hohen Salzgehalt und seiner sehr hohen Verdunstungsrate (ca. 1 m Wassersäule pro Jahr) ein gutes und interessantes Beispiel für den Zusammenhang zwischen Zu-und Abfluss in Meeresgebieten. Zu der starken Verdunstung kommt es durch die grosse Erwärmung, welche schnelle Verdunstung begünstigt, und durch trockene Winde, die das ganze Jahr über vor allem von Nordwesten das Mittelmeer erreichen. Wie die rechte Grafik veranschaulicht, spielen im Gegensatz zum Zufluss von Atlantikwasser der Niederschlag (Regen) sowie der Zufluss von Flüssen nur eine geringe Rolle für das gesamte Mittelmeer. Die an sich zwar hohen Beiträge von Po, Nil und Donau senken den Salzgehalt z.B. in der Adria und im Schwarzen Meer, sind aber nicht in der Lage, die hohen Verdunstungsraten auch nur annähernd auszugleichen. (Quelle: M. Tomczak und J. S. Godfrey, 1994: Regional Oceanography: An Introduction. Pergamon Press, 422 Seiten)
Aus den Verdunstungsraten und dem Wasservolumen des Mittelmeeres lässt sich errechnen, dass die Zeit, die vergehen müsste, um das gesamte Wasser des Mittelmeeres durch Zuflüsse zu "erneuern", etwa 70 Jahre betragen würde.
Die Strasse von Gibraltar Der Wasseraustausch des Mittelmeeres mit dem Atlantik findet in der Strasse von Gibraltar statt. Dort herrscht eine starke Schichtung zwischen dem salzarmen, kälteren Wasser des Atlantiks, welches nahe an der Meeresoberfläche ins Mittelmeer fliesst, und dem salzreichen ausströmenden Mittelmeerwasser, das sich in der Nähe des Meeresbodens bewegt. Dies ist mit sehr starken Strömungen (bis zu 1m/s Strömungsgeschwindigkeit) verbunden und wird von einem ausgeprägten Gezeitenrhythmus überlagert.
(Die alten Phönizier (Karthager) scheinen diese Strömungsverhältnisse in der Strasse von Gibraltar bereits gekannt zu haben: sie sollen angeblich die Kraft der in den Atlantik strömenden tiefen Wassermassen genutzt haben, um trotz der entgegen gerichteten vorherrschenden Winde und Oberflächenströmungen durch die Strasse von Gibraltar in den Atlantik hinaus segeln zu können. Sie sollen grosse Treibanker in die Tiefe gelassen haben, um sich von dem Mittelmeerausstrom mitziehen zu lassen.)
Durch die Strasse von Gibraltar fliesst also frischeres (d.h. weniger salzreiches) Wasser aus dem Atlantik ins Mittelmeer und gewährleistet somit einen "Wasserwechsel". Wie oben bereits gezeigt ist der Abfluss von Mittelmeerwasser in den Atlantik dabei etwas geringer als der Zufluss von Atlantikwasser ins Mittelmeer.
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